Historie

                                       Der Landseer-Neufundländer
                                                                    Von Dr. P. Träger, Zehlendorf bei Berlin,

                                Entnommen aus der Zeitschrift „Hundesport und Jagt“, München, Jahrgang 1899, Nr. 32

Während der schwarze Neufundländer bei uns eine ganze Reihe enthusiastischer Liebhaber gefunden hat und von Jahr zu Jahr mehr an Boden gewinnt, ist merkwürdigerweise die andersfarbige Abart der Rasse eine fast unbekannte Erscheinung geblieben. Wenn hier und da einmal ein sogenannter Landseer auf einer Ausstellung erschien, war es meist ein sehr fragliches Exemplar, in der Regel nur ein schwarzer Hund mit besonders stark ausgebildeten weißen Abzeichen. Es ist schwer, für die auffallende Tatsache eine stichhaltige Erklärung zu finden. Möglich, daß ihn bei uns die Vorliebe für den Bernhardiner ferngehalten hat, der in der Farbe dem Geschmack ungefähr das gleiche bietet und ihn an Größe noch übertrifft. Aber schließlich ist der St.-Bernhards-Hund in England ebenso da, und der weiß-schwarze Neufundländer behauptet doch seinen Platz. Wahrscheinlich liegt der Grund einzig darin, daß sich niemand gefunden hat, der einen energischen und zugleich glücklichen Anfang gemacht und so andere nachgezogen hätte. Es zeigt sich ja dasselbe auch in bezug auf andere Rassen, es sei nur an eine der eigenartigsten und vornehmsten, an den Bluthund, erinnert. Im übrigen spielt auch, wie Jeder weiß, in der Hundeliebhaberei die Mode keine geringe Rolle.

In England nimmt der Landseer, oder wie er offiziell heißt, der weiß-schwarze Neufundländer, keineswegs eine zurückgesetzte Stelle ein, wenn er dem schwarzen in der Verbreitung auch etwas nachzustehen vermag. Auf der vorletzten Crystal-Palace-Ausstellung war das Verhältnis 15:25, auf der letzten nach dem Berichterstatter dieses Blattes sogar ziemlich gleich und auf der Crufts Show 26:36. Man wird ungefähr das Richtige treffen, wenn man ein Verhältnis von 40:60 annimmt. Die Differenz ist also nicht besonders groß. Bei uns dagegen steht meines Wissens in bekannten Zwingern zur Zeit nur der eine Rüde, welchen Herr Thiel im vorigen Jahr eingeführt hat.

Dieses fast gänzliche Fehlen der Abart hat es mit sich gebracht, daß selbst in den engeren Neufundländerkreisen vielfach ganz irrige Anschauungen von ihr verbreitet sind. Ist doch schon der Antrag aufgetaucht, die Klasse für Andersfarbige, d h. also die Klasse, welche in England besonders für die Landseer eingerichtet ist, ganz abzuschaffen, weil das Weiß nur die Folge von Albinismus sei. Es lag dabei offenbar die Vorstellung zugrunde, daß die Landseer Hunde seien, bei denen die verflixten weißen Abzeichen besonders groß ausgefallen sind. Das ist jedoch ein entschiedener Irrtum. Auch die Bezeichnung „weiß und schwarz gefleckt", welche in unserem Stammbuch gebraucht wird, halte ich nicht für sehr glücklich, da auch sie die Vorstellung erweckt, als ob es sich um einen schwarzen Hund mit weißen Flecken handele. Viel eher wäre man berechtigt, von einem weißen Hund mit schwarzen Flecken zu sprechen als umgekehrt. Denn wie der Landseer sich heute präsentiert, ist „Weiß" die Grundfarbe oder doch mindestens die herrschende, genauso wie beim Bernhardiner.

Auf die Frage, ob die Abart aus den Schwarzen derart entstanden ist, daß man eine Anzahl Generationen hindurch immer mit Hunden gezüchtet hat, bei denen die weißen Abzeichen besonders ausgesprochen waren, möchte ich hier nicht näher eingehen. Ich will die Möglichkeit, daß ursprünglich einmal ein derartiger Prozeß stattgefunden hat, nicht unbedingt von der Hand weisen, wenn ich ihn auch für sehr unwahrscheinlich halte. Auf jeden Fall kommt er für die neuere Entwicklung und den heutigen Stand der Rasse nicht in Betracht. Ein großer Hund von der Farbe des Landseers war in England im vorigen und mehr noch im Beginn dieses Jahrhunderts ziemlich verbreitet. Es war dies der Hund, welchen Beckmann als „Neufundländer aus dem Ende des vorigen Jahrhunderts" bezeichnet und Bungartz als .Neufundländer alten Stils". Man vergleiche die beiden Abbildungen im Stammbuch S. 50 und S. 51. Seine Zeichnung, die Verteilung von Weiß und Schwarz, war im großen und ganzen genau dieselbe, wie sie heute noch der weiß-schwarze Neufundländer aufweist. In dieser Beziehung ist er also nicht etwa ein Resultat jüngerer Züchtung. Seine Färbung war vielmehr schon fixiert zu einer Zeit, als der schwarze aus Neufundland gebrachte Hund auch in England noch eine große Seltenheit war. Wir dürfen nicht vergessen, daß auch dort die Verbreitung der Rasse erst seit wenigen Jahrzehnten größere Fort-schritte gebracht  hat. Noch auf der Crystal-Palace-Ausstellung im Jahre 1871 kamen von 834 Hunden auf die Neufundländer nur neun, während die Bernhardiner bereits 25 Vertreter aufwiesen.

Besser noch als bei den obengenannten Autoren können wir das Aussehen des älteren weiß-schwarzen Hundes bei dem Manne verfolgen, welchem er den heute bei uns meistgebrauchten Namen verdankt. Es ist dies bekanntlich der berühmte und sicher populärste Maler, welchen England hervorgebracht hat, Sir Edwin Landseer.

Ich meine, auch die Geschichte des Hundes und die moderne Kynologie wäre ihm einmal ein Gedenkblatt schuldig. Er hat in seinem langen und fleißigen Leben eine Unmenge von Hunden gemalt und war, was mehr bedeutet, der erste, der nicht bloß mit scharfem Auge ihre Formen, sondern auch mit liebevollem Eindringen ihre Seele wiederzugeben verstand. Seine Bilder aus ihrem Leben, die ernsten wie die heiteren, haben sicher besonders in England, wo sie in vielen Tausenden von Stichen verbreitet wurden, nicht wenig dazu beigetragen, die Liebhaberei für Hunde zu fördern und die Achtung vor ihnen zu erhöhen. Ein angesehener englischer Kunsthistoriker macht ihm direkt zum Vorwurf, er habe gegen die künstlerische Wahrheit verstoßen, weil er seinen Tieren beinahe menschliches Denken und Empfinden verliehen habe. Ob dieser Kritiker jemals selbst einen intelligenten und anhänglichen Hund beobachtet und um sich gehabt hat? Auch das neueste Werk über die Geschichte der Malerei von Prof. Muther nimmt den Vorwurf wieder auf und findet es unkünstlerisch, daß „seine Hunde mit Verstand, selbst mit Sprache begabt zu sein scheinen." Aber auf der anderen Seite muß er auch anerkennen, daß die Bilder aus der Liebe und Freude des Naturmenschen heraus gemalt sind. „Es ist, als wäre der Maler im Besitz einer Tarnkappe gewesen, um sich den Tieren unbemerkt zu nähern, ihre Seele und ihr intimes Le-ben zu belauschen. Landseer hat den Hund entdeckt. Der von Snyders war ein knurrender, hinterlistiger Köter, der von Bewick ein Räuber und Dieb. Landseer hat ihn zum Begleiter des Menschen, zu einem Glied der menschlichen Gesellschaft, zum gemütvollen Freunde und treuen Genossen gemacht, der als letzter auf des Schäfers Grab trauert. Er hat zum erstenmal in dieses edle Gesicht, in diese gedankenvollen Augen geschaut und damit der Kunst ein neues Feld eröffnet."

Die Bedeutung des Mannes mag die kleine Abschweifung entschuldigen. Was uns hier zunächst nur interessiert, sind die Bilder, welche dem weiß-schwarzen Neufundländer den Namen „Landseer" verschafft haben. Doch zuvor noch ein Wort über die auffallende Tatsache, daß der Künstler, wenigstens soweit mir seine Werke bekannt sind, nie einen reinschwarzen gemalt hat. Man hat gesagt, daß er diese nicht für so malerisch gefunden habe, eine Erklärung, die mir durchaus nicht einleuchten will. Landseer selbst hat auf mehr als einem Bilde bewiesen, daß sich auch mit dem einfarbigen Schwarz prächtige Wirkungen erzielen lassen. Ich glaube, der Grund lag einfach darin, daß sich ihm schöne schwarze Neufundländer bei ihrer Seltenheit nicht als Modelle geboten haben. Dagegen finden wir auf einem seiner Bilder einen Braunen.

Für die Beurteilung der Weißschwarzen, deren Porträts der Künstler uns überliefert hat, kommen in der Hauptsache drei Gemälde in Betracht. Das berühmteste ist das lebensgroße in der National Gallery: „A distinguished Member of the Humane Society." Es gehört zu seinen Meisterwerken und sicher zu den lebendigsten und lebenswahrsten Tierporträts, die überhaupt je gemalt worden sind. Allerdings darf man dabei nicht an die Reproduktion nach einem miserablen Stich denken, welche auch bei Bylandt Aufnahme gefunden hat.

Die beiden anderen jedoch waren um vieles größer und schwerer, der Kopf breiter, die beiden Läufe auffallend hoch, bei dem einen ebenso auffallend kurz. Der stark hervortretende Stirnabsatz markiert sich bei „Lion“ schon so, daß man ihn als Stop bezeichnen darf.

Man kann sich des Gedankens nicht erwehren, daß schon damals diese weiß-schwarzen Hunde ein Element enthielten, welches in seinen Formen von den schwarzen aus Neufundland importierten wesentlich abwich. Die Beantwortung dieser Frage würde zugleich auch ein entscheidendes Licht über das Entstehen der Abart verbreiten. Denn wenn man annimmt, daß sie nur auf einer Ausdehnung der gewöhnlichen weißen Abzeichen beruht, dann bleibt wieder die Frage zu beantworten: Woher kommt denn nun bei dem gleichen Ursprung die Verschiedenartigkeit der Formen?

Wie steht es nun heute in dieser Beziehung mit den Landseer? Auch die meist oberflächliche Betrachtung ihrer Reihen auf der Crufts Show hätte es nicht entgehen können, daß es hier die Farbe nicht allein. war, die die beiden Schwesterrassen trennte. Sofort fällt die überlegene Masse der Landseer auf und ihre Größe, deren Durchschnittsmaß sicher bedeutend höher sein muß. Dann sehen wir bei einem großen Teil von ihnen Köpfe, neben denen auch die überzüchtetsten ihrer schwarzen Brüder noch normal und mäßig erscheinen. Bei einigen springt der Unterschied derart in die Augen, daß man es wissen muß. um sie als zur gleichen Rasse gehörend zu betrachten. Ich hatte den Eindruck, daß die Entfernung von solchen Exemplaren bis zu den Schwärzen, wie sie sich im Durchschnitt zeigen, kaum geringer ist. wie von diesen nach der anderer Seite hin zu den Retrievers. Ich habe diese Ansicht mehreren englischen Züchtern und Kennern. gegenüber ausgesprochen, und sie stimmten mir alle rückhaltlos bei.

Ich habe bei Landseer-Bildern die Vermutung eines fremden Elementes nur mit Zurückhaltung angedeutet, bei diesen lebenden „Landseer“ läßt sich das fremde Blut nicht mehr bloß vermuten, sondern ganz bestimmt bezeichnen und nachweisen. Es steht für mich außer Zweifel, daß nahezu alle unter ihnen Vorfahren mehr oder weniger vom Bernhardiner haben. Wer die Gruppe aus dem Landseerzwinger des Herrn Dickmann in Kettering aufmerksam betrachtet hat, wird gewiß den gleichen Gedanken gehabt haben, obwohl dieser Zwinger nicht etwa besondere Extreme nach dieser Richtung hin aufweist. Eine Vermischung  zweier Rassen von  so großer  Ähnlichkeit in der Erscheinung und Zeichnung läßt sich in den Zeiten vor der offiziellen Kynologie eigentlich von vornherein

Träger-Foto


                         „Diamond Jubilee Queen“                                                                  “Kettering May”
                                                   “Merrys Son”                  Champ. “Merry-Boy”          Champ. “Merry-Lassie”
                                Landseer-Neufundländer aus dem Zwinger des Herrn H. Dickman, Kettering, England

annehmen. Ich glaube aber, sie hat auch noch lange stattgefunden, als die Bestrebungen zur Reinhaltung der Rassen schon viele Anhänger zählten. Gerade in England, wo man immer die Neigung hatte, auf Größe zu züchten, war es verführerisch, den meist kleineren mit Neufundländertypus mit Hilfe des Bernhardiners in die Höhe zu bringen. In den Stammbäumen werden sich dafür natürlich nicht leicht direkte Beweise finden lassen. Für die Sache an sich bedarf es durchaus keiner Urkunden. Sie dokumentiert sich in den einzelnen Fällen so stark, daß mir bei einem der bekanntesten Rüden ein englischer Kenner von selbst sagte, daß unter den Bernhardinern der Ausstellung nicht einer einen so guten Kopf hätte wie dieser Landseer, dort würde er vielleicht den 1. Preis erhalten haben.

Es handelt sich dabei aber nicht nur um eine auffallende Ähnlichkeit im Gesamttypus, eine Menge von kleinen, einzelnen Zügen weist deutlich auf das Bernhardinerblut hin. So steht der größte Teil auf sehr hohen und nur gering befederten Läufen, es erscheinen diese daher gerade, entgegengesetzt wie bei den schwarzen, dünn und von unschöner Länge. Ebenso habe ich bei fast allen mehr oder minder gespreizte Zehen gefunden. Ferner ist die Behaarung meist kürzer und vor allem dünner, so daß an vielen Stellen der Fleischton durchtritt. Dieser zeigt sich übrigens oft auch bei der Nase und den Lefzen. In bezug auf die Schlichtheit des Haares jedoch dürften die Weiß-Schwarzen nicht viel zurückstehen. Unter denen, die ich zu Gesicht bekommen habe, war hierin nur ein kleiner Teil zu tadeln. Von den Köpfen habe ich bereits erwähnt, daß sie fast durchweg breiter, massiger und höher sind, zum Teil sogar von ganz kolossalem Umfang. Ein steiler, dem Bernhardiner entsprechender Absatz ist nicht selten. Beim Auge findet man viel eine runde und größere Form an Stelle der schmalen und kleinen, die wir wünschen. Daß die Bindehaut sichtbar ist, scheint beinahe die Regel zu sein. Der Schwere des ganzen Kopfes entsprechen auch die tiefen und oft feuchten Lefzen. Auch den Behang sieht man meist nicht so klein und gut anliegend, wie ihn die Schwarzen tragen.

Diese und andere Merkmale finden sich natürlich nicht immer bei jedem einzelnen vereinigt, hier mehr, da weniger. Ich glaube jedoch, daß die Weiß-Schwarzen, welche den Neufundländertypus rein bewahrt haben, nur noch eine kleine Minderheit bilden. Man verkennt dies natürlich auch in England nicht und scheint gerade deshalb in neuerer Zeit wieder viel zwischen der Abart und der Hauptrasse zu kreuzen, um so den Typus möglichst noch zu bewahren oder auch wiederzugewinnen. Ich habe keine ausdrückliche Bestätigung dafür, aber es schien mir, daß auch der Richter der Crufts Show bei seinen Urteilen dem mehr oder weniger vom wahren Neufundländertypus einen ausschlaggebenden Wert beigelegt habe. Wenigstens stimmte es durchaus mit der von ihm felsgesetzten Reihenfolge nach welcher mehrere alte, berühmte Hunde ins Hintertreffen gerieten.

In der Offenen Klasse trafen drei bekannte, sieggewohnte Rüden, Champion „Merry-Boy", „Donovan" und „Kettering-Wonder" mit einem Neuling „Canonbury-Rover" zusammen. Dieser errang den ersten Platz, trotzdem er in einem wichtigen Punkte zu wünschen übrig läßt: sein Haar ist nicht schlicht. Aber er ist eine kräftige, sehr massive Erscheinung, der man Neufundländercharakter und Ausdruck nicht absprechen kann. Er steht auf kurzen und gesunden Beinen, sein Kopf hat gute Form und keinen zu starken Absatz. Sicher kam ihm auch seine schöne Maske zustatten. „Donovan II", der ihm folgte, hat noch volles Recht, sich Neufundländer zu nennen, ein äußerst imponierender Hund von ungemein schwerem Bau mit riesigem Kopf, aber ohne Stop und Bernhardinerausdruck. Er hat vorzügliche Behaarung und kleinen korrekten Be-hang. Seine Läufe sind gleichfalls noch von schöner Länge und dabei gut befedert. Nach einer langen, glänzenden Laufbahn mußte sich hier Champion „Merry-Boy" plötzlich mit einem dritten Preis begnügen. Er erinnert schon etwas mehr an den Bernhardiner. Sein Stirnabsatz ist ziemlich steil, das Auge zeigt Bindehaut, die Lefzen sind schwer, ganz kurz und tief die Schnauze. Doch davon abgesehen, hat mir der Hund ganz außerordentlich gut gefallen, nicht zum wenigsten durch sein intelligentes Wesen und die königliche Haltung.

Recht wenig mehr vom Typus des Neufundländers hat der Vierte der Klasse „Kettering-Wonder": sehr groß, sehr hoch gestellt, mit mächtigem Schädel und ausgesprochenem Stop und all den kleinen Zügen, welche auf Bernhardinerblut hinweisen. Von den Hündinnen sei nur eine erwähnt. Champion „Merry-Lassie", die alle anderen weit hinter sich läßt. Sie erscheint, besonders unter den Landseer, verhältnismäßig klein — ich maß zwischen 64 und 65 cm Schulterhöhe —, von sehr gutem Typus, kräftigem, nicht massigem Gebäude und vorzüglichen Proportionen. Ein guter Kopf ohne jede Übertreibung, ein kleines, schmales, ganz dunkles Neufundländerauge mit festen Grenzen ohne Bindehaut. Das Haar ist tadellos schlicht, aber etwas kurz, nirgends findet sich eine Spur von störenden Fleischtönen. Um jedoch etwas, zu tadeln, auch bei ihr sind die Zehen nicht genügend geschlossen. Das größte Aufsehen unter den Landseer erregte entschieden der Sieger der Jugendklasse „Merry's Son". Er war damals erst 3/4 Jahre alt, hatte eine Schulterhöhe von 69 cm und für sein Alter unglaublich massige und stark einwickelte Formen. Sicher gehörte er auch in der Zeichnung zu den schönsten.

Ich möchte damit schließen, womit ich begonnen habe: Es ist in der Tat unverständlich und wirklich zu bedauern, daß sich in Deutschland noch niemand und entschlossen hat, sich der Abart besonders zuzuwenden.

                                            DER PAUKENHUND

Der Paukenhund ist keine neu entdeckte Hunderasse. Er bellt wie alle anderen Hunde, trägt ein gelbbraunes, zottiges Fell, wedelt mit dem Schwanz, wenn man ihn streichelt, und hat die sprechenden braunen Augen des Bernhardiners. In Deutschland tauchte er erst in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts auf.

Im Feldzug zwischen Österreich und Preußen standen sich zwei Regimenter bei Roßberitz gegenüber, das K. K. Inf.-Reg. 75 und das Preußische Inf.-Reg. 43. Das Gefecht war beendet. Die Österreicher hatten sich zurückgezogen, und die Preußen erbeuteten diesmal statt der Fahnen einen kleinen Wagen mit einer daraufstehenden großen Trommel. Vor dem Wagen lag noch in den Seilen eingespannt ein toter Hund. Die Trommelfelle waren vollkommen zerschossen.

Der Regimentskommandeur schreibt an seinen König mit der Bitte, den seltsamen Prunkwagen dem Regiment als Beutestück zu überlassen. Es kommt eine Kabinettsorder: Das Fuhrwerk darf dem Regiment auf ewige Zeiten verbleiben. Es kann zu jedem Dienst mitgeführt werden, jedoch mit Rücksicht auf die Außenpolitik nicht bei großen Paraden. Denn der Trommelkörper trägt ja noch die österreichischen Farben schwarz und gelb, das österreichische Wappen, den Doppeladler, und die Inschrift des K. K. Inf.-Regts. Nr. 75, und die ausländischen Offiziere, die bei der Parade zugegen sein würden, könnten an diesem seltsamen Beutestück Anstoß nehmen.

Nachdem nunmehr der Paukenwagen preußisch geworden ist, wird der erste preußische Paukenhund zum Dienst befohlen. Es gab nichts Schöneres für uns Kinder, als wenn die 43er in Königsberg ein Platzkonzert veranstalteten, in wohlgeordnetem Kreise um ihren Musikdirektor Krantz herumstanden und der Paukenhund sich in Pflichterfüllung an dem Platzkonzert beteiligte.

Nach dem Weltkrieg kam das kleine Fahrzeug nach Berlin ins Zeughaus. Neuer Erlaß, diesmal des Reichswehrministeriums: Das Paukenfuhrwerk mitsamt dem Paukenhund verbleibt der Traditionskompagnie in Königsberg. Ein neuer Paukenhund ward gewählt. November 1924 wurde sogar eine große Feier veranstaltet mit dem alleinigen Zweck, den Paukenhund der Traditionskompagnie zu übergeben.

Benno Bardi
(Quelle: „Kamerad Hund“, Austria-Tabakwaren GmbH München, ca. 1950 – 1955.)

„Das Infanterieregiment Nr. 43 in Königsberg führt seine große Pauke stets auf einem Wagen mit, und diesen Wagen zieht ein Bernhardiner. Nicht immer der gleiche, drei ihrer Rasse tun Dienst in der Regimentsmusik; sie werden von den Soldaten liebevoll gepflegt und von der gesamten Einwohnerschaft bei den Ausmärschen bewundert. Natürlich treiben die Paukenhunde auch Sport, plantschen mit ihren Soldaten-Kameraden so vergnügt im Wasser, daß die Zweifel an ihrer Abstammung berechtigt erscheinen; es heißt nämlich bisweilen, diese Bernhardiner seien in Wirklichkeit farbige Neufundländer.....“

Paukenhund-1


Paukenhund-2



Quelle: „Das Haustierbuch", Paul Eipper; Deutscher Verlag Berlin, 1943.


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