Zucht

Der “Ursprung” des Landseers.

Über die Abstammung des Neufundländers und Landseers ist schon viel geschrieben worden. Hunde aus dem westlichen Europa sollen in Neufundland diese Rassen gebildet haben. Zu den “weiss-schwarzen Neufundländern”, die dann nach England aus Neufundland importiert wurden, kamen wegen der Nachfrage und in Ermangelung von Zuchthunden typähnliche, englische Hunde hinzu. Der Rassebegriff war unausgebildet und man richtete sich im Wesentlichen nach dem äußeren Erscheinungsbild, denn wer gross, kräftig, langhaarig und weiss-schwarz aussah, war geeignet, um in die Zucht einzufliessen. Diese Praxis verhinderte Enge und und focierte genetische Breite. Leider gibt es über diese Zeit keine Informationen, die eine Abstammungsaussage zulassen. Erst durch die zuchtbuchähnliche bzw. zuchtbuchmässige Erfassung ab Ende des 19. Jahrhunderts wäre eine genauere Betrachtung der Abstammung bzw. der Rassebildung möglich.

Unter Abstammung des Landseers soll die Herkunft (Basis) verstanden werden, die zur Bildung der heutigen Population des rein gezüchteten Landseers führte und die durch die Zuchtbücher dokumentiert wurde. Basis sind also alle die Zuchthunde, die Ausgangspunkt einer zielgerichteten Reinzucht waren, die dann 1959/1960 zur Anerkennung als Rasse durch die F.C.I. führte. Dazu sind aber auch die Einkreuzungen nach Rasseanekennung zu rechnen, die nach der Anerkennung als Rasse die schmale Zuchtbasis verbessern sollten. Aufgrund der Zuchtbücher der Neufundländerklubs ließ sich eine Datenbank erstellen, die eine detailliertere Betrachtung der Abstammung zulässt. Es ist möglich, dass nicht alle “Randerscheinungen” der Zucht, z.B aus Sibirien, berücksichtigt werden konnten. Im Wesentlichen gibt aber die nachfolgende Aufstellung Überblick über die Hunde, die beim Aufbau der Rasse “Landseer” wesentlich beteiligt waren.

In dieser Tabelle sind neben Zuchtbuchnummer, Name, Wurfjahr und Rasse/Farbe der “Vererbungsdruck” aufgeführt. Dieser repräsentiert den durchschnittlichen, prozentualen, genetischen Anteil den ein Ahn statistisch gesehen an der betrachteten (heutigen) Population hat - ein Urgroßvater würde z.B. 12,5% seiner Genetik an seine Enkel weitergeben. Je “älter” Ahn ist, desto eher repräsentiert sich sein genetischer Anteil in jedem der heutigen Landseer -  “junge” Ahnen werden sich nicht in jedem heutigen Landseer repräsentieren.

Lfd. Nr.

ZB-Nummer

Name

Wurfjahr

Vererb.- Druck %

Rasse, Farbe

1

 

Lord Byron

 

3,1

N, s, w/s r

2

 

Bonnie Lassie

 

0,3

N, w/s

3

 

Alpha

 

4,6

?

4

 

Tylehurst Lassie

 

4,5

N, w/s

5

 

Studivea

 

1,0

N, w/s

6

NSB 909

Philomena

03

2,5

N, s, w/s r, b r

7

NSB 948

Stella Maris

03

0,6

N, w/s

8

OEHZB 05

Nero Melichar

12

8,7

N, w/s r

9

SHSB 14267

Bär v Toggenburg

19

1,5

N, s

10

NSB 4461

Flora

22

13,9

N, w/s

11

SHSB 18983

Deta v. Meggenhorn

24

3,0

N, s

12

NSB 4394

JungTom v. Hinterberg

28

5,1

N, s

13

SHSB 28369

Balder v.d. Gifthütte

28

0,8

K, w

14

NHSB 22344

Alinda v.d. Oude Plantage

31

0,9

N, s

15

NHSB 26759

Anni v. Landseerheim

31

1,6

N, w/s

16

NSB 9007

Arko v. Wendelstein

40

2,3

N, s

17

NSB 9823

Wodan v. Charlottenhof

42

2,6

N, s

18

NSB 10338

Greta v.d. Schwedenschanze

44

0,1

N, s

19

SHSB 95102

Tarzan v.d. Waldstätte

44

6,1

N, s, w/s r

20

DNK 12247

Iras v.d. Peck Bergen

48

0,2

N, s

21

NHSB 127849

Annelie v. Landseerheim

49

3,2

N, w/s

22

NHSB 135377

Prins v. Nordwige

49

6,4

N, s, w/s r

23

NHSB 139892

Torn of Perryhow

50

3,2

N, s, w/s r, tan r

24

OEHZB34

Seaward's Son of Storm

56

6,1

N, w/s

25

DK 308328

Kolkjärs White Label

68

0,1

N, w/s

26

DKK 11110

Björnegaards Gajus

70

1,5

N, w/s

27

DNK 20511

Björnegaards Gisela

70

4,1

N, w/s

28

DNK 20591

Cennen Smokey Dawn

71

3,7

N, w/s

29

SHSB 208000

Karel v.d. Niederburg

71

0,5

N, s

30

DNK 20585

Sea Welk of Harraton

72

1,5

N. w/s

31

SF 203330

Harraton's Sea Panda

77

0,3

N, w/s

32

SF 7332

Harraton's Sea Thistle

77

0,5

N, w/s

33

DKK 31028

Topmast's Hannibal

78

0,9

N, s, w/s r, Dil r

34

SF 5193S/81

Caladh Sea Urchin

79

1,2

N, w/s

35

DKK 08587

Ursula's Captain Cook

80

0,4

N, w/s, Dil m

36

LOF2 Lands.9

Monterosa Lady Cassie

80

1,4

N, w/s

37

SF 78972

Harraton’s Sea Mink

80

0,4

N, w/s

38

DNK 30523

Akira ideal

84

0,3

N, w/s

39

DNK 30524

Alaska Ideal

84

0,9

N, w/s

        Erklärungen zu Rasse und Farbe
        Rasse:

        N   Neufundländer
        K   Kuvasc

        Farbe:
        w/s      reinerbig Weiß-Schwarz (der Hund ist gescheckt)
        w/s r    mischerbig Weiß/Schwarz (w/s-Träger, der Hund ist nicht gescheckt, er ist einfarbig)
        b r        mischerbig Braun (b-Träger)
        Dil r     mischerbig bzgl. Dilution (Dil-Träger, der Hund ist nicht grau)
        Dil m   hat graue Geschwister
        tan r    mischerbig bzgl Tan (Tan-Träger, der Hund ist nicht Tan, lohfarbene Abzeichen)

         

Danach ist die heutige Landseer-Population im wesentlichen aus dem "Landseer-Blut" von 21 Landseer-Neufundländern mit insgesamt 47,5% und 7 Neufundländern mit "rezessivem Landseer-Blut" und 30,9% “Blutanteil” in der heutigen Zuchtpopulation heraus gezüchtet. Einer der Neufundländer war rezessiver Erbträger einer weiß-braunen Scheckung. Aus Mangel an Rüden in der Schweiz ist Ende der 20er Jahre ein Kuvasc eingekreuzt worden, der sich heute nur noch gering, mit 0,8% bemerkbar macht. Die restlichen 9 rein schwarzen Neufundländer wirken mit insgesamt 16,8% auf die heutige Zuchtpopulation, jedoch wurden bei 4 von ihnen Landseer-Ahnen festgestellt. Bis auf einen Rüden mit 0,5 sind diese vor Anerkennung der Landseer als Rasse eingekreuzt worden.

Interessant sind die Basisahnen, die überdurchschnittlich beteiligt sind. Der durchschnittliche Blutanteil der Basisahnen in der heutigen Zuchtpopulation beträgt 100%/39Ahnen = 2,6%. 14 Basisahnen liegen über dem Durchschnitt und sie wirken mit 75,7% auf die heutige Zuchtpopulation. Sie können als die eigentlichen Ahnen der Landseer-Rasse gelten. Darunter befinden sich nur zwei rein schwarze Neufundländer mit 8,1% Blutanteil. Herausragend und sozusagen "Urmutter" aller Landseer war aber die Hündin "Flora" mit 13,9% des Herrn Lunter aus Enschede in Holland - dieser Wert ist um 1,4% höher, als eine Urgroßmutter genetisch auf ihre ihre Enkel wirkt.

Es wird immer wieder behauptet, dass auch andere Rassen - ausser dem Kuvasc - eingekreuzt wurden. Bekannt sind die Zuchtexperimente der Herrn Prof. Fehringer, der Landseer mit Berhardinern gekreuzt hat. Die Linien aus der Weiterzucht mit diesen “Mischlingen” sind jedoch nach einiger Zeit “ausgestorben”, sodass sie für die heutige Population keine Bedeutung mehr haben.

Für den Kynologen bedeutet "reinrassig", im Gegensatz zur strengen Auffassung des Genetikers, dass die wesentlichen Merkmale auf die Nachkommen vererbt werden. Damit wird für ihn der Begriff "Rasse" eine Defmitionsangelegenheit. Die Folge sind manchmal kuriose Festlegungen, wie es uns im Falle des weiß-schwarzen Neufundländers (Standard Nr. 50) und des Landseers, europäisch kontinentaler Typ, (Standard Nr. 226) vor Augen geführt wird. Damit aber die Kuriosität eindrucksvoll zur Geltung kommt, soll die Meinung einer kanadischen Züchterin von weiß-schwarzen Neufundländern (Kanada, USA und einige andere Länder sagen zu diesen Hunden Landseer, da sie nur den Neufundländer-Standard kennen) zu deren Reinzucht die Bedeutung des Landseers als eigene Rasse unterstreichen: "Reinzucht des Landseers ist leider nicht möglich, denn es müssen immer wieder Neufundländer eingekreuzt werden, damit der Landseer seinen Standard nicht verliert". Ich glaube, damit ist eigentlich alles geklärt.

2002
H. Grigoleit

 


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